Football´s coming home: die Geschichte des Fußballs

Fußball, Fußball, Fußball ... man muss nur die Zeitung aufschlagen oder das Fernsehen einschalten – über den Fußball wird immer berichtet. Doch bei all dem Rummel um das runde Leder sollte man sich vielleicht einmal die Frage stellen, wie es überhaupt dazu kam. Wie hat der Fußball sich entwickelt? Wo hat er „seine Wurzeln“?

 
Die Entstehung des Fußballspiels
Über die Anfänge des Fußballspiels ist man sich nicht einig, es gibt unterschiedliche Überlieferungen. Die ältesten Fußballspiele, da sind die Experten sich sicher, gab es aber in Asien.
In China wurde bereits im 3. Jahrhundert T´suh-küh gespielt, was auf deutsch soviel wie
„einen Ball mit dem Fuß treten“ heißt. Über die Regeln ist leider nichts bekannt, dafür gilt es aber als sicher, dass das T´suh-küh in militärischen Ausbildungsprogrammen gespielt wurde. Im Laufe der Zhou-Dynastie (11. Jh. – 256 v. Chr.) wurde das Sportspiel auch beim Volk immer beliebter und verschiedene Varianten des Spiels haben sich in ganz Asien ausgebreitet. Neueste Forschungen ergaben, dass bis ca. 600 n. Chr. „zu qiu“, wie es später hieß, sogar Nationalsport war und es eine Profiliga gegeben haben könnte.
Das Fußballspiel wurde ca. 100 Jahre danach jedoch nicht mehr gespielt und völlig vergessen. Außerdem kann man diese uralten Spiele nicht als Anfänge des Fußballs bezeichnen, da es bei allen eher um Geschicklichkeit ging und nicht um dem Kampf zweier Mannschaften um einen Ball.
 
Will man wissen, wie der moderne Fußball entstanden ist und sich weiter entwickelt hat, muss man einen Blick auf die Insel werfen – nach England, dem Mutterland des Fußballs. 
Denn genau dort wurde das Wort „football“ (also auf Deutsch: Fußball) im Jahre 1314 zum ersten Mal erwähnt, nämlich in einer Bekanntmachung des Londoner Bürgermeisters. Dieser verbot in der Bekanntmachung das Fußballspielen in London, weil die frühe Form, die damals gespielt wurde, ein brutales Geraufe war. Spielfeld, Spielerzahl, Spieldauer und die Regeln waren nicht festegelegt; man durfte den Ball sogar mit der Hand spielen. Warum es dann Fußball hieß? Darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Eine mögliche Erklärung wäre zum Beispiel die Ballgröße, denn der ausgestopfte Leder ball, mit dem gespielt wurde, hatte einen Durchmesser von einem englischen Fuß (ca. 30 cm).
Seit dem 15. Jahrhundert wurde dann auch in Frankreich und Italien eine frühe Form des Fußballs gespielt, bei denen es ebenfalls mitunter ziemlich wild und brutal zugehen konnte.
Ein paar Jährchen später, um genau zu sein, Mitte des 19. Jahrhunderts, gab es in der Entwicklung des Fußballs dann aber erhebliche Fortschritte.
An englischen Privatschulen war das Fußballspiel als „Leibesertüchtigung“ sehr beliebt, doch die Regeln der verschiedenen Schulen waren ganz und gar nicht einheitlich. Das hinderte die Fußballmannschaften verschiedener Unis lange daran, gegeneinander anzutreten. Deswegen überlegten 1848 Studenten aus Cambridge und Oxford, wie man die unterschiedlichen Regeln ihrer Herkunftsschulen zu allgemein gültigen Regeln vereinheitlichen könnte. Sie wollten ein Football-Spiel erfinden, das die Vorzüge des Rugbys mit denen der Spiele aus Eton und Harrow vereinigte. Dabei entbrannte ein Streit darüber, ob mit dem Fuß oder mit der Hand gespielt werden sollte.
Am 26.10.1863 versammelten sich die Vertreter von elf Londoner Schulen in der Gaststätte „Freemasons Tavern“ und gründeten die Football Association (FA), einen internationalen Verband. Doch schon bald kam es zu einem Bruch zwischen der Fuß- und der Handpartei. Die Fußpartei setzte sich für die bereits 1848 an der Uni Cambridge entworfenen Regeln ein, denn diese Cambridge Rules verboten es, den ball mit den Händen zu halten oder zu spielen. 1863 arbeitete die FA dann ein auf den Cambridge Rules basierendes Regelwerk aus, das 14 Absätze umfasste. Die Hand-Fraktion konnte sich nicht durchsetzen, trat aus und gründete 1871 ihren eigenen Verband, die Rugby Union.
Am 30.11.1872 fand das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des Fußballs zwischen einer schottischen und einer englischen Mannschaft in Glasgow statt (es endete 0:0).
Mit der Zeit wurde der Fußball in England immer beliebter und um die wachsende Zahl an Spielern zu organisieren, war 1871 der Pokalwettbewerb eingeführt worden. Das Problem dabei war jedoch das K.O.-System der Spiele. Doch auch da konnte Abhilfe geschaffen werden, nämlich mit der Einführung einer professionellen Fußballliga. 1885 wurden Profimannschaften offiziell erlaubt und im April 1888 schlossen sich 12 Clubs zur Football League zusammen. Fortan war der Pokalwettbewerb allen Teams des britischen Verbands offen, die Liga war den Profispielern vorbehalten. 1899 wurde dann auch der bezahlte Vereinswechsel erlaubt, allerdings zu einem Höchstbetrag von 10 Pfund.
 
Nachdem wir uns jetzt ausführlich mit dem englischen Fußball beschäftigt haben, wollen wir einen Blick nach Deutschland werfen. Denn zu uns kam der Fußball erst erstaunlich spät.
England war im 19. Jahrhundert eine große See- und Handelsmacht. Da ist es nicht verwunderlich, dass britische Matrosen und Geschäftsleute die neue Sportart schnell in alle möglichen Länder exportierten. In Europa wurde der Fußball zuerst in der Schweiz, um 1860, bekannt und beliebt. Das lag daran, dass viele englische Schüler auf schweizerischen Privatschulen waren und dort natürlich auch kickten. Nach und nach schwappte die Fußballwelle dann auch nach Deutschland über. In den Anfängen der Fußballgeschichte Deutschlands wurden vor allem in Berlin viele Vereine gegründet; der älteste, heute noch bestehende Club ist der Berliner FC Germania von 1888.
Zwei der einflussreichsten deutschen Fußballpioniere waren Konrad Koch und Walter Bensemann. Konrad Koch, Gymnasiallehrer aus Braunschweig, führte das Fußballspiel im Jahre 1874 erstmals in Deutschland ein, mit dem Ziel, den Bewegungsmangel seiner Schüler zu bekämpfen. Koch führte außerdem heute gebräuchliche Begriffe wie Abseits, Halbzeit und Eckball ein. Walter Bensemann veranstaltete schon während seiner Studienzeit in Süd-deutschland internationale Fußballturniere und gründete 1889 den späteren Meisterclub Karlsruher FV. Zudem rief er 1920 die Fußballzeitschrift Kicker ins Leben.
Am 28.1.1900 wurde in Leipzig der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet; 20 Jahre später gehörten ihm schon 750.000 Mitglieder an.
Die Endrunde der deutschen Meisterschaft wurde seit den 1950er Jahren in zwei Gruppen zu je vier Vereinen ausgetragen, deren Sieger für das Endspiel qualifiziert waren. Im Jahr 1962 beschloss der DFB, die stärksten Vereine in einer ersten Liga zu konzentriere und es bewarben sich 46 Vereine aus den bisherigen Oberligen.
1963 wurde dann die erste Bundesliga eingeführt, in deren erster Saison (1963/1964) folgende Vereine spielten: 1.FC Nürnberg, TSV 1860 München, Eintracht Frankfurt, Karlsruher SC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, MSV Duisburg, BV Borussia Dortmund, FC Schalke 04, Preußen Münster, Hamburger SV, SV Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin und –man mag es kaum glauben- der 1. FC Saarbrücken. Von 1903 bis 1963 war die deutsche Meisterschaft ein Mix aus Liga- und Pokalsystem, aber ab 1963 wurde für den Kampf um die deutsche Meisterschaft das reine Ligasystem eingeführt. Ab diesem Jahr war die höchstmögliche Liga, in der ein Verein spielen konnte, die 1. Bundesliga. Darauf folgten die 2. Bundesliga, die Regionalligen (Nord und Süd), die zehn Oberligen, die Verbandsligen, die Landesligen, die Bezirksligen und die Kreisligen.
 
 
Das Hin und Her im Frauenfußball
Vor allem der Frauenfußball hatte es schwer, sich in der Gesellschaft zu etablieren.
Angefangen hat alles mit Nettie Honneyball, die 1894 in London die erste englische Frauenfußballmannschaft mit dem Namen „British Ladies“ gründete. Ein Jahr später fand das erste „Ladies Football Match“ vor 10.000 Zuschauern statt. Frauenfußballspiele wurden 1902 jedoch verboten, weil Frauen in kurzen Hosen nicht dem Idealbild der Gesellschaft entsprachen. Im Laufe des ersten Weltkriegs musste die englische Profiliga der Herren eingestellt werden und plötzlich erfreute sich der Frauenfußball wieder großer Beliebtheit.
Es wurden Frauenwettkämpfe ausgetragen, bei denen Geld für wohltätige Zwecke gesammelt wurde, was gerade in der Kriegszeit sinnvoll war. Das berühmteste Team waren die
Dick Kerr´s Ladies, die 1920 53.000 Zuschauer in das Liverpooler Stadion lockten. Doch dieser Erfolg war den Männern wohl zu viel und ein Jahr später war es Frauen verboten, in Stadien aufzutreten. In England setzte sich der Frauenfußball erst wieder um 1970 durch.
In Deutschland wurde 1930 die erste „Damen-Fußball-Mannschaft“, wie sie damals hieß, gegründet. Doch auch hier erhoben sich die Widerstände gegen kickende Frauen. Erst 1954, nachdem die deutsche Männer-Nationalmannschaft die WM gewonnen hatte, durften frauen wieder auf den Fußballplatz, jedoch nicht zum offiziellen Spielbetrieb. Das war – wie in England – erst ab den 70er Jahren wieder erlaubt.
 
Der Fußball als globale Sportart
Am 25.1.1904 wurde in Paris die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) gegründet. Dieser Weltverband sollte Länderspiele organisieren und internationale Fußballregeln aufstellen. Im Jahre 1930 wurde von der FIFA die erste Fußballweltmeisterschaft in Uruguay ausgerichtet (Weltmeister wurde Uruguay). Deutschland verzichtete aus Kostengründen jedoch die Teilnahme und die damit verbundene Reise nach Südamerika.
Der europäische Fußballverband (UEFA) wurde 1954 in Basel gegründet. Seit 1960 richtet die UEFA den „Europapokal der Nationen“ aus, der acht Jahre später in Europameisterschaft umbenannt wurde. Bereits 1955/56 spielten mehrere Mannschaften zum ersten Mal um den „Europapokal der Landesmeister“, der 1992 durch die UEFA Champions Legaue ersetzt wurde.
 
Die Entwicklung der wichtigsten Fußballregeln
1848: Studenten der Universität Cambridge verfassen die sogenannten Cambridge Rules,
die ersten richtigen Fußballregeln. Laut diesen Regeln besteht eine Mannschaft aus 15 bis 20 Spielern
1863: Die neu gegründete FA entwirft ein umfassendes Regelwerk mit 14 Absätzen. Es besagt unter anderem, dass der Ball nur mit dem Fuß gespielt werden darf. Eine erste Abseitsregel wird formuliert: jeder Spieler, der sich zwischen Ball und gegnerischem Tor befindet, steht im Abseits
1866: Die Abseitsregel wird verändert: Ein Spieler ist nur dann im Abseits, wenn er bei der Ballannahme weniger als drei Gegner vor sich hat. Im Sheffield Code werden Eckball und Freistoß eingeführt
1870: Die FA reduziert die Spielerzahl auf elf
1872: Der Eckstoß und eine einheitliche Ballgröße werden eingeführt
1874: Der Schiedsrichter leitet ab jetzt als Unparteiischer das Spiel
1875: Halbzeitpause und Eckball werden eingeführt
1877: Der Schiedsrichter darf einem Spieler einen Platzverweis erteilen
1878: Die Trillerpfeife kommt bei den Schiedsrichtern zum Einsatz
1882: Der Einwurf mit beiden Händen wird erlaubt
1889: Der Schiedsrichter erhält Unterstützung durch zwei Linienrichter
1890: Tornetze werden eingeführt
1891: Der Strafstoß wird eingeführt
1902: Der Strafraum-Habkreis wird zum Rechteck
1903: Dem Torwart wird das Handspiel nur noch im eigenen Strafraum erlaubt
1906: Dem Torwart wird es verboten, beim Elfmeter die Torlinie zu verlassen. Es wird vorgeschrieben, dass der Ball aus Leder sein muss
1920: Das Abseits beim Einwurf wird aufgehoben
1924: Eckbälle dürfen von nun an direkt in ein Tor verwandelt werden.
1925: Die Abseitsregel wird erneut verändert: bei seiner Ballabgabe müssen sich zwischen dem Spieler und dem Tor mindestens zwei (bisher drei) Gegenspieler aufhalten
1939: Rückennummern werden offiziell eingeführt
1965: Die Auswechslung eines verletzten Spielers während der gesamten Spielzeit wird in der englischen Liga erlaubt
1966: Das Auswechsel-System in England wird geändert: unabhängig von Verletzungen dürfen zwei Spieler während des gesamten Spiels ausgewechselt werden (gilt ab 1969 weltweit)
1967: Die „Vierschritte-Regel“ wird eingeführt: der Torwart darf sich nur noch vier Schritte mit dem Ball in der Hand bewegen, sonst bekommt der Gegner einen indirekten Freistoß
1970: Bei der neunten Fußball-WM in Mexiko werden offiziell gelbe und rote Karten eingeführt. Das Elfmeterschießen nach Verlängerung wird eingeführt
1991: Die gelb-rote Karte als abgestufter Platzverweis wird eingeführt.
1993: Verbot der „Grätsche von hinten“ (Blutgrätsche)
1995: Es wird erlaubt, drei Spieler auszuwechseln
1996: „Golden Goal“ wird erstmals bei der EM eingeführt
1998: Ein Foul von hinten ist ab sofort vom Schiedsrichter mit Platzverweis zu bestrafen
2002: „Golden Goal“ wird nach der WM wieder abgeschafft
 
 
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panamafly
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