Angeblich hat er 52 Tequila getrunken – an einem Abend! Nach einem Saufgelage ohnegleichen und zwei Wochen im Koma hat er den Kampf gegen den Alkohol verloren.
Der Fall des 16-jährigen Berliners, der sich im März 2007 zu Tode getrunken hat, sollte eigentlich eine Abschreckung sein und als unschönes Beispiel für die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum fungieren. Doch die deutschen Jugendlichen trinken so viel wie nie, allen voran die saarländischen. 2005 wurden in unserem Bundesland 314 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus stationär behandelt; der bundesweite Durchschnitt liegt hier bei 227 Kinder und Jugendlichen.
Geht man den Gründen des Trinkverhaltens der Jugendlichen nach, wird man feststellen, dass in erster Linie hier das soziale Umfeld eine Rolle spielt. Ist das Familienleben nicht intakt, greifen die Jugendlichen wesentlich öfter zur Flasche. Das gleiche gilt für Jugendliche, deren Eltern oder Freunde häufig Alkohol konsumieren. Hier ist der Grund in der Vorbildrolle der Eltern, bzw. im Wunsch nach der Anerkennung der Freunden zu finden.
Trotz zahlreichen Kampagnen von Krankenkassen und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist der Kampf gegen den Alkohol noch lange nicht gewonnen, viele Jugendlichen betrinken sich hemmungslos und tun sich damit wirklich keinen Gefallen.
Doch wie wirkt der Alkohol eigentlich im Körper und was kann er dort anrichten?
Alkohol wird im gesamten Verdauungstrakt durch die Schleimhäute aufgenommen, die den Alkohol ans Blut weitergeben. Das Blut transportiert den Alkohol in den gesamten Körper, auch ins Gehirn. Dort überwindet er sogar die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn normalerweise vor Giften schützt. Das Gehirn ist die Steuerzentrale des Körpers und wenn der Alkohol dort eindringt, kann das auf langfristige Sicht erhebliche Schäden anrichten: Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, Schwächung der Abwehrkräfte, Magen-, Leber- und Speicheldrüsenkrebs und Beeinträchtigung der Hirnfunktion selbst, denn das Gehirn kann um bis zu 15% schrumpfen. Trinkt man beispielsweise für fünf Jahre ca. drei Gläser Alkohol am Tag, kann man einen Gehirnschaden bekommen; das Gedächtnis verschlechtert sich erheblich. Möglicherweise kann man sogar „Korsakow“ bekommen. Das ist kein Wodka, sondern eine Krankheit; „Korsakow“ ist eine Art von Gehirnschaden, bei der man die Dinge nicht mehr so schnell auffassen und verstehen kann. Plump ausgedrückt heißt das, man wird immer dümmer.
„Merke: Zu viel Alkohol macht dumm, fett und unattraktiv“ – dieser Satz prangt in großer Schrift auf der ersten Seite einer Informationsbroschüre zum verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol. Dass Alkohol dumm macht, wissen wir jetzt. Doch wie steht es um den Bierbauch-Mythos, der beim Thema Alkohol immer wieder zur Sprache kommt? Es gibt Leute, die sagen, Alkohol hat damit überhaupt nichts zu tun. Andere Leute sagen, Alkohol mache dick wegen der Kalorien. Wieder andere behaupten, Alkohol (vor allem Bier) würde hungrig machen und das Essen würde dann zur Gewichtszunahme führen. Aber was stimmt denn nun? Fakt ist, dass Alkohol kalorienreich ist, allen voran Alcopops (bunte Mischungen aus Limonade und Alkohol). Der Alkoholgeschmack wird durch eine Menge Zucker und mehrere Aromastoffe überdeckt, was dazu führt, dass eine Flasche ungefähr 200 Kalorien hat (so viel wie eine Portion Pommes Frites). Ein halber Liter Bier bringt es sogar auf 210 Kalorien. Außerdem sorgt der Alkohol dafür, dass das körpereigene Fett langsamer abgebaut wird. Dass (fast) nur Männer Bierbäuche haben, liegt daran, dass sich das überschüssige Fett bei Männern um den Bauch und bei Frauen um die Hüften anlagert. Bleibt noch die Theorie, dass Alkoholtrinken hungrig macht und man dann durch das Essen dick wird. Und auch das stimmt! Alkohol stimuliert die Magenschleimhaut und das wiederum regt den Appetit an. Das heißt, man isst automatisch, um den Hunger zu stillen. Es stimmt also, dass man a) durch den Alkohol selbst überflüssige Kalorien zu sich nimmt und b) mehr isst, weil Alkohol den Appetit anregt; zwei weitere Gründe, die Finger vom Alkohol zu lassen.
Trotzdem trinken viele Jugendliche weiter; da können Gesetze meistens auch nichts bewirken.
Das Jugendschutzgesetz besagt, dass man mit 16, bzw. 17 Jahren Bier, Bier-Mix-Getränke, Wein, Sekt und Apfelwein in der Öffentlichkeit trinken darf. Schnaps, schnapshaltige Alcopops und branntweinhaltige Getränke dürfen erst an Jugendliche und junge Erwachsene ab 18 Jahren verkauft werden. Diese Regelung ist zwar bekannt, lässt sich aber nicht immer durchsetzen (z.B. in Getränke- und Supermärken). Weiterhin besteht das Apfelsaftgesetz, das im Gaststättengesetz fest verankert ist. Es schreibt vor, dass jede Gaststätte ein alkoholfreies Getränk anbieten muss, das nicht teurer ist als das billigste alkoholische Getränk (bezogen auf einen Liter) – viele Gaststätten halten sich jedoch nicht daran und tragen somit dazu bei, dass die Jugendlichen, was den Alkoholkonsum betrifft, oft ihre Grenzen überschreiten.
Jeder Vierte trinkt mindestens einmal im Monat bis zum Umfallen; damit trinken laut einer Unicef-Studie nur noch die britischen Jugendlichen mehr als die deutschen – und das, obwohl die Anzahl der Kampagnen und Aktionen zur Alkohol-Prävention in Deutschland zugenommen hat.
Die BZgA zum Beispiel startete die Kampagne „Na Toll“ und verteilte Broschüren, Postkarten, Rezeptbücher für Cocktails (natürlich ohne Alkohol!), Aufkleber und Poster, die man sich übrigens auch im Internet unter www.bist-du-staerker-als-alkohol.de bestellen kann (dort bekommt man auch noch mehr Informationen rund ums Thema Alkohol-Prävention). Eine große deutsche Krankenkasse rief die „Aktion Glasklar“ ins Leben und versucht damit, Jugendliche davon überzeugen, dass Alkoholkonsum zu schlimmen Folgen führen kann (alle Informationen hierzu findet ihr unter www.aktionglasklar.de ).
Bis jetzt hat sich die Beziehung zwischen den deutschen Jugendlichen und dem Alkohol noch nicht maßgeblich verbessert. Aber vielleicht braucht es auch einfach Zeit – oder Sprüche wie „Merke: Alkohol macht dumm, fett und unattraktiv“.




